Jodeln ist „Seelennahrung“

Jodelkurse mit Kerstin Stöcker

„Der Jodler ist einzigartig in unserer Volksmusiklandschaft. Es gibt einen großen Formenreichtum: Parallel geführte dreistimmige „Miteinander“, im Kanon verlaufende „Nacheinander“, polyphon verstrickte „Füreinander“ und allerhand Mischformen. Es gibt den kräftigen Anschreier aber auch sanfte, freudige, besinnliche Töne. Der spirituelle Gesang der Alpen/Berge berührt uns tief im Inneren. Jodeln ist ein herrliches Vollbad in purem Klang, ein durchströmt werden von der Kraft und Magie der reinen Vokale. Kraftvoll durchdringend in der Bruststimme, fein vibrierend in der Kopfstimme...“

— Steierische Volksliedwerk, 2011

Jodeln macht sehr fröhlich, lebendig und wach.

Auf der ganzen Welt wird in den Bergen gejodelt. Singen im Allgemeinen hat eine zehnfache positive Wirkung auf die Gesundheit (Durchblutung, Atemvertiefung, Harmonisierung, Hormonausschüttung wie Immunglobulin A, Endorphine, Oxytozin etc., Abbau des Stresshormons Kortison, antidepressive Wirkung durch Ausschüttung von Serotonin usw.). Jodeln bewirkt zusätzlich eine starke Aktivierung der Durchblutung des Kehlkopfes. Die Schilddrüse liegt auf dem Schildknorpel, direkt am Stimmapparat.

In den Bergen leiden die Menschen oft an einer Unterfunktion der Schilddrüse durch Jodmangel. In den Worten Jodler und Jodeln steckt das Wort Jod. Durch das Jodeln wird die Schilddrüsenaktivität angeregt und das Stoffwechselniveau vom Körper erhöht. Nach Tomatis (HNO-Arzt, Frankreich) lädt sich das Gehirn durch obertonreiche Klänge mit Energie auf.

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Wie ist Jodeln entstanden?

Jodeln war ursprünglich ein Mittel zur Verständigung. Durch den sehr direkten, lauten und tragenden Klang der Jodler konnten und können weite Distanzen akustisch überbrückt werden. So können sich zum Beispiel Hirten und Waldarbeiter verständigen oder das Vieh durch einen Jodler (Viehruf) angelockt werden.

Das Jodeln ist nicht auf den alpenländischen Raum beschränkt. So sind Jodler bei fast allen Naturvölkern dieser Welt belegt. In allen gebirgigen und unwegsamen Regionen der Welt gibt es Techniken, mit Rufen weite Distanzen zu überbrücken. Hirten, Sammler, Waldarbeiter und Köhler verständigten sich jodelnd. Mit dem „Almschrei“ oder „Juchzer“ wurde in den Alpen von Alm zu Alm kommuniziert oder das Vieh angelockt. Im alpenländischen Volkslied wird der Jodler oft musikalisch verwendet.

Wo wird gejodelt?

Früher wurden Jodler oft solistisch gebracht. Viele Jodel-Lieder sind heute mehrstimmig und häufig als Refrain in Volksliedern zu finden. Besonders in der Schweiz hat sich das Jodeln in Chören entwickelt. Auch in kirchlich-sakraler Volksmusiktradition, etwa in Südtirol, kennt man ein- oder mehrstimmige Jodler. Man jodelte z.B. in Afrika, wo die Ehefrauen der afrikanischen Pygmäen-Völker versuchten, ihre Männer zu möglichst erfolgreichen Jagdergebnissen durch Jodelrufe zu unterstützen. Aus folgenden Ländern ist Jodeln bekannt: Nordamerika ("Country Yodeling"), Polen, Rumänien, Georgien, Sápmi/Lappland („Joik/Juoigan“), Schweden („Kulning/Kölning/Kaukning“), Spanien („Alalá“), Tibet, China, Thailand, Kambodscha, Korea, Melanesien, Neuguinea, Grönland und Mexiko.

Auf welche Urformen geht das Jodeln zurück?

Das Zäuerle:

Das Zäuerle ist ein heidnischer Brauch aus alemannischer Zeit. Er diente der Vertreibung der bösen und dem Anlocken der guten Geister. Es ist eine Urform des Jodelns, die nur noch im Kanton Appenzell üblich ist. Es findet nur am so genannten alten Silvester statt (13. Januar nach julianischem Kalender). Dämonische Figuren ziehen mit überlautem Schellengeläut in Gruppen von Haus zu Haus.

Der Betruf:

Der Betruf ist ein magischer, gesungener Schutzsegen, der auf einigen wenigen Hochalpen noch heute bei Sonnenuntergang gesungen wird und in dem höhere Mächte um Schutz und Beistand angerufen werden.

Was ist der Naturjodel?

Die Grundlage der Melodik des Naturjodels, besonders in seiner ursprünglichen, archaischen Form, ist die sog. „Naturtonreihe“ (die Naturtonreihe ertönt auch beim Obertongesang). Solche Jodel mit dem Naturton-Fa (Alphorn-Fa) gehören zu den urtümlichsten und spontansten Melodien der gesamten Jodelliteratur. Auf den Zuhörer üben sie eine ganz besondere Faszination aus. Naturjodel wurden in fernab gelegenen, wenig zugänglichen Tälern u.a. in der Schweiz, innerhalb der Dörfer und Familien überliefert. So konnte sich der Naturjodel in seiner Ursprünglichkeit erhalten.

Jodeln und Schamanismus

Jodeln ist u.a. gedacht um Naturgeister zu beeinflussen bzw. günstig zu stimmen. So wie der Obertongesang (Tuva/Mongolei) hat es seine Wurzeln bis zurück in den Schamanismus/Naturreligionen.

Welche Technik brauche ich?

Anfänglich braucht man „Mut zur Hässlichkeit“ beim Lernen des Jodelns. Es mag zunächst wie Krächzen, Heulen und Wehgeschrei klingen.

Wie funktioniert Jodeln?

Kennzeichnende Merkmale des Jodelns sind häufiges schnelles Umschlagen zwischen Brust- und Kopfstimme (Registerwechsel) mit großen Intervallsprüngen. Üblich sind Silbenfolgen wie beispielsweise „Hodaro“, „Iohodraeho“, „Holadaittijo“ und viele andere.. „Der Schlag“ beim Jodeln ist ein schneller übergangsloser Wechsel von Brust- zur Kopfstimme. Bei „normaler“ Tonerzeugung mit sanftem Ansatz des Luftstroms nähern sich die Stimmbänder bis zur Berührung. Der Stimmspalt verschwindet, die Atemluft versetzt die Stimmbänder in Schwingung und ein Laut wird hörbar. Beim Jodeln bläst man die Luft kraftvoll und hart durch die Stimmbänder, so dass diese sich öffnen, ehe sie schwingend reagieren. Sie weichen einen Moment lang voneinander. Dadurch entsteht das Einsatzgeräusch, der „Schlag“. Vokale, die für die Bruststimme gut geeignet sind, sind das „a“, „o“, „oh“ (wie in „holla“, „tio“). Wichtig ist es, die Bruststimme kräftig, tief und erdig anzusetzen.Für die Kopfstimme sind Vokale werden „u“, „i“, „ü“ verwendet.

Jodeln? Ich kenne da einen anderen Begriff…

Hier ein Überblick über die verschiedenen Begriffe und ihre Bedeutung:

Juchzer
Freudenruf, welcher im Falsett (Kopfstimme) anfängt und dann absteigt.
Jodeln
wird oft als Jauchzen und Juchzen identifiziert.
Johlen
ist eine ältere Bezeichnung von Jodeln und bedeutete oft ”jubeln” oder aus Freude laut singen (später wurde es als misstönen, lärmen (!) bezeichnet). Johlen war aber ursprünglich verbunden mit einer magischen Vorstellung der Abwehr von Dämonen. Andere Wörter sind jaulen oder jo-en („jo“ singen).

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Welche Literatur zum Jodeln gibt es?

Quellen:
„Die Kunst des Jodelns“ — Alpenländische Jodelschule, Gustl Thoma & Ludwig Merkle / Heimeran Verlag
Carien Wijnen - ISGT - Institut für ganzheitliche Stimmarbeit und Gesangstherapie: „Was ist eigentlich Jodeln? Eine Einführung.“
Lussi, Kurt (2004). Lärmen und Butzen. rex Verlag / Brunner.
Steierische Volksliedwerk (2011). 123 Jodler und Juchzer. Graz.
Thoma, G. & Merkle, L. (1977). Die Kunst des Jodelns. Alpenländische Jodelschule. Heimeran.
alpenschamanismus.deAlpenkraft/Alperer/alperer.html [31.01.2014]
de.wikipedia.org/wiki/Jodeln [31.01.2014]
de.wikipedia.org/wiki/Joik [31.01.2014]
www.jodlerklub-muotathal.ch [31.01.2014]